Fragmentarisches zu verfolgten Christen
Vor einigen Wochen ging die Meldung durch die Presse, dass drei Mitarbeiter eines christlichen Verlags in Malatya, Türkei ermordert wurden. Bei Peter hab ich einen Brief der Gemeinde aus Smyrna gefunden, der die Geschehnisse aus Malatya nochmal von einer anderen Seite sehen lässt. Auch wenn ich nicht nachprüfen kann, ob die Angaben richtig sind, hört sich das für mich vertrauenswürdig an. Vor allem aber hat er mich nachdenklich gemacht.
Hier kannst du den Brief auf Deutsch lesen. (Ist zwischendrin ziemlich heftig, wenn es zu den Folterdetails kommt.)
Beim Lesen kommt mir wieder das vor einigen Tagen Gelernte in den Sinn. Beim Durcharbeiten meiner Kirchengeschichte- Pflichtliteratur stolperte ich immer wieder über eine unter Repression leidende Kirche: Verfolgung unter Nero (ca. 64), unter Decius (249-251) oder unter Dokletian (284-305). Tausende werden gefoltert, tausende sterben. Genauso rumple ich immer wieder mit dem altkirchlichen Ideal des Martyriums zusammen: Tertullian, einer der Kirchenväter schrieb “das Blut der Märtyrer ist der Same (der Kirche)”. Das Martyrium wurde als edelste Art der Jesus- Nachfolge gesehen. So meinte Ignatius, ein anderer Kirchenvater, seine Reise nach Rom, wo er hingerichtet werden sollte, sei eine Imitation der letzten Reise Jesu nach Jerusalem. Die Hochachtung vor dem Maryrium ging teilweise so weit, dass Märtyrer unter nordafrikanischen Christen als ideale Christen angesehen wurden. (Vgl. Handbuch Die Geschichte des Christentums, S.71-73.77-84.)
So zu denken scheint irgendwie ziemlich weit weg, fremdartig und seltsam radikal – oder? Andererseits fordert es ungemein heraus, stellt meine Hingabe auf den Prüfstand und eine institutionalisierte Kirche in Frage, sie macht mir aber auch bewusst wie ungemein priviligiert ein religionsfreihes Land ist (- oder nicht!?).
In diesen Tagen erreicht uns ein Mail von einem Nepalesen, dessen Arbeit wir seit einigen Jahren unterstützen. Auf sein Kinderheim und die Schule wurde ein Bombenanschlag verübt. Nur durch Zufall wurde die Bombe unter dem Bus entdeckt und entfernt, detonierte aber doch noch und verletzte einen Schüler. Dort sind Anfeindungen noch ganz real.