Ragaz zur Bergpredigt

Auf die Gefahr hin, dass die meisten meiner Blogleser die folgenden Einträge vielleicht langweilig finden, will ich euch doch mit in mein Studieren hineinnehmen.

Nachdem ich versucht habe mir einen Überblick zu verschaffen, lese ich mich seit einigen Tagen durch die Wirkungsgeschichtes der Bergpredigt seit dem ersten Weltkrieg.

Neben einem Verständnis, das Christus als Hauptgegenstand der Berpredigt sieht und dabei meines Eindrucks nach bei der Frage nach der Umsetzbarkeit dieser Worte Jesu unschlüssig bleibt (z.B. Thurneysen) fällt mir vor allem die Position der sogenannten “Religiösen Sozialisten” ins Auge.

Deren bekanntester Vertreter ist Leonhard Ragaz. Einige seiner Gedanken zur Bergpredigt will ich hier anbringen, ohne den Anspruch zu eheben, damit seine Position vollständig darzustellen. Ragaz meint:

“Die Bergpredigt ist die unerhörte Botschaft von der Revolution der Welt durch Gott.”

Er hät sie für uns als gültig und verbindlich und nicht nur/erst in einer eschatolgischen Zeit, in einer Zeit des nahen Endes (gegen die “Interimsethik”) :

“Die Bergpredigt gilt schon heute. Ihre Wahrheit ist ewiger und unbedingter Art, an keine Zeit und keine Unstände gebunden.”

und später zu der Frage des Nicht-Vergeltens:

“Frage: Gilt denn ein solches Verbot auch für das politische Leben und nicht bloß für das zivile? Antwort: Die Bergpredigt ist nicht blos die magna charta des privaten Lebens, sondern die des Reiches Gottes. Frage: Aber sie redet stets so individualistisch? Antwort: Jedoch immr auf dem Hintergrund des Reiches, unter der Voraussetzung des Reiches.”

Und weiter zum Verhältnis Politik und Bergpredigt:

“F: Sie ist die magna charta des Reiches Gottes, aber doch nicht der Politik? A: Auch die Politik soll dem Reiche Gottes untertan werden. Die Bergpredigt wird zunächst gewiß bloß von den Jüngern und der Gemeinde Christi verstanden und anerkannt, aber die Gemeinde Chisti soll die Welt erobern – auf ihre Art. Was Gottes, des Herrn und Vaters, Ordnung ist, muß auch die Ordnung der Welt werden. Die Jünger und die Gemeinde sollen dafür Salz der Erde und das Licht der Welt sein.”

Auch wenn mir Ragaz’ offensichtliche Zuneigung zum Sozialismus und Kommunismus suspekt ist, harmonieren seine Aussagen mit etwas in mir.

Zitiert aus: Ragaz, Leonhard. Die Bergpredigt Jesu. Bern: Verlag Herbert Lang & CIE, 1945.

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