Lohfink zur Bergpredigt

Lohfink beschäftigt sich recht ausführlich mit der Frage an wen, exegetisch gesehen, die Bergpredigt gerichtet ist – und schließt:

„Die Bergpredigt richtet sich also nicht an den isolierten Einzelnen, sie richtet sich auch nicht an eine Elite innerhalb der Kirche und sie richtet sich erst recht nicht unmittelbar an die gesamte Welt. Sie ist vielmehr die Richtschnur der Kirche, die als das wahre Israel zum Salz der Erde und zum Licht der Welt werden soll. In diesem Sinne ist die Bergpredigt übrigens auch universal auf alle Menschen bezogen. Aber eben nur über die Kirche, die alle Völker zu Jüngergemeinden machen soll.“ (38)

Damit bietet er einen kollektiven Ansatz. Doch wir leben in einer individualisierten Gesellschaft, weshalb ein Großteil unseres Lebensvollzuges auch außerhalb christlicher Gemeinschaft stattfindet. Lohfink erkennt dieses Problem und stellt so auch die Frage nach der Stellung des Christen zum Staat.

Er zieht dreierlei Dinge für den Einzelnen in Betracht:

  • Er meint, es sei teilweise eine bewusste Verweigerung und damit verbundener Verzicht auf bestimmte Funktionen, Tätigkeiten oder Berufe notwendig, um Zeichen zu setzten.
  • Es sei aber auch möglich „den Geist der Bergpredigt“ in die Gesellschaft einzubringen um so z.B. Gewalt zu minimieren.
  • Letztlich sei es manchmal auch nötig, dass der Christ im Staat rechtsstaatliche Sanktions- und Gewaltmittel einsetzt um Gerechtigkeit durchzusetzen und Gewalt einzudämmen.

Lohfink betont aber die Beschränktheit dieser Möglichkeiten. Die Wirkung eines Einzelnen in der Gesellschaft sei zu gering. Der neutestamentliche Weg sei der des Volkes Gottes. Deshalb schließt er:

„Der beste Dienst, den die Christen der Welt leisten können, ist deshalb der Aufbau lebendiger Gemeinden, in denen die Bergpredigt gelebt und die Aufforderung Jesu zum Gewaltverzicht wörtlich genommen wird.“ (63)

Mit dieser Sichtweise positioniert er sich zwischen reformierter Theologie (verkürzt: mit der Bergpredigt lässt sich keine Politik machen) und politischer Theologie (verkürzt: die Gesellschaftspolitik müsse nach dem Geist der Bergpredigt gestaltet werden) und fordert einen dritten Weg. Der dritte Weg sieht so aus, dass die Bergpredigt

„… mit zwingender Notwendigkeit einen Realisierungsbereich (verlangt), der mit der Gesamtgesellschaft identisch, der aber doch so strukturiert ist, daß in ihm die gesellschaftliche Dimension der Bergpredigt öffentlich gelebt werden kann.“ (103)

Meiner Ansicht nach betont Lohfink mit der Kontrastfunktion der Gemeinde etwas sehr Wichtiges – wenn die Gemeinde nicht exemplarisch darstellt, bleibt die ganze Sache recht kraftlos. Doch der Einzelne – und damit das individuelle Wirken in Gesellschaft und Staat – kommt mir etwas zu kurz. Überhaupt scheint mir sein Ansatz einer, menschlich ohnehin begünstigten, nach innen gerichtete Bewegung Vorschub zu leisten … oder? Was denkt ihr?

(Zitiert aus: Lohfink, Gerhard. Wem gilt die Bergpredigt: Zur Glaubwürdigkeit des Christlichen. 2. Auflage. Freiburg, Basel, Wien: Herder, 1993.)

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