Bekehrung als Prozess?

Bei der Lektüre des Buches "Conversion in the New Testament: Paul and the Twelve" von Richard V. Peace stoße ich auf die Frage, welche in mir schon häufiger aufkam:

"Was stellten sich diese Männer (die Jünger, d.Verf.) vor, dass sie tun würden, nachdem sie begannen Jesus nachzufolgen? Was dachten sie, wem sie hier nachfolgen? Was waren die kulturell geprägten Kategorien, durch welche sie verstanden haben werden, wer Jesus ist und was es bedeutet ihm nachzufolgen?" (S. 163)

Haben alle Jünger wirklich von Anfang an geblickt, dass Jesus der Messias ist? Haben sie die Einwilligung in die Jüngerschaft wirklich als Herrschaftswechsel verstanden?

Nach Peace lässt schon der Markus-Beginn anderes vermuten: Was die vier Jünger am ersten Tag ihres Jünger-Seins erlebten (also die Lehre am Sabbat in der Synagoge, die Befreiung vom Dämon und die Heilung der Schwiegermutter) habe das Bild eines jüdischen Lehrers vermittelt, wenn auch das eines ungewöhnlichen. Erst nach und nach hätten – so Peace – die Jünger verstanden, dass Jesus nicht nur ein Lehrer war. Dieser Prozess habe bereits am nächsten Morgen begonnen, als Jesus mit den Jüngern nicht die gewöhnliche Sesshaftigkeit der Schriftgelehrten, sondern die Wanderschaft angetreten hatte.

Und so frage ich: Bedeutet Bekehrung wirklich immer, dass ein Mensch von Anfang an das ganze Dogma (Jesus als der Retter der ganzen Welt, der mich von meiner Sündenschuld befreit, dem ich mein Leben ans Kreuz lege, der mir ein neues Leben als neue Kreatur ermöglicht …) bejaen kann? Oder kann es nicht auch der Entschluss sein, sich auf den Weg mit Jesus zu begeben, sicherlich: gewisse Konsequenzen in Kauf zu nehmen (für die Jünger: die Fischerei aufgeben) und so nach und nach zum Bekenntnis zu kommen: "Du bist der Christus!"?

Eine Reaktion zu “Bekehrung als Prozess?”

  1. beisasse

    ja. und sogar “rettung” und “heil” ist ein prozess.

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