Kleidungsetikette und Einfachheit

Stellen wir uns doch mal vor "Leon" ist lebensmüde und will deshalb Bänker werden. Da aber bei seiner Ausbildungsstelle nur Anzüge gesehen werden wollen und er außer seinem Konfirmandenanzug bisher diesem Metier aus dem Weg gegangen ist, steht er nun vor der großen Kleidungsfrage. Kauft er sich mal so ein, zwei Anzüge und stockt mit den ersten Gehältern auf? Riskiert er dabei, dass sein besserbestückter Azubi-Kollege laut bemerkt, dass er die Schuhe doch schon gestern angehabt habe und dass ihn jeder Fleck in eine tiefe Sinnkrise stürzt? Oder kauft er sich fünf Anzüge, fünfzehn Hemden, drei Schuhe und gleich ein paar Mäntel (wie in den einschlägigen ich-will-Bänker-werden-communities geraten wird)? Was kann man da schon machen? Sich beugen? Stattdessen Sozialpädagoge werden?

Oder z.B. die Gastronomie: Das Café bei dem die Kasi gerade zu arbeiten beginnt, möchte gerne einen auf Highsociety machen und erwartet so schwarze Lederschuhe, schwarzes Beinkleid – besser noch schwarzer (kurzer) Rock – Bluse und Krawatte. Bluse und Krawatte konnte sie gegen Kaution leihen und am Ende des Arbeitsverhältnisses wieder zurückgeben, vorausgesetzt sie sind "sauber und in gutem Zustand". Gemäß der Etikette jedoch darf die Bluse nur weiß sein und Kaffeespritzer sind bei der Arbeit an einer Kaffeebar – erfahrungsgemäß – vorprogrammiert. Was tun? Behalten? Reinigen lassen? – jedenfalls wird, v.a. bei Hose und Schuhe, Konsum einfach so erwartet.

Ist das ok? Darf eine Kleidungsetikette Menschen zum Kaufen drängen? Hat sie das Recht? Steht einer Etikette wirklich eine solche Autorität zu? Ist es recht, dass Banken, Cafés, Versicherungen, Buchhandlungen ect. diese Etikette als wirklich allgemeingültig erklären und als Maßstab an ihre Mitarbeiter anlegen? Und schlimmer noch: Wirkt das nicht im extremen Maße exklusivistisch? Schließt das nicht Menschen von vornherein aus? Und abgesehen davon: Wie kann man – mit dem Wunsch im Herzen, einfach zu leben – mit diesen Ettiketten und dem Drängen zum Konsum umgehen?

Liebe Freunde, lasst uns doch mal auch solche gesellschaftliche Konventionen hinterfragen. Liebe Neu-Monastiker – helf mir!

8 Reaktionen zu “Kleidungsetikette und Einfachheit”

  1. ufi

    das ist echt schade, aber klar. ein möchtegern-high-society-typ kauft seinen bescheuerten latte macchiato nicht bei jemandem, der normale kleider anhat, diese ego-menschen wollen bedieeeeeeeeeeent werden, verdammt noch mal und zwar ein bisschen PRONTO. sei einfach froh, dass sie nicht mit einem mercedes-coupé zur arbeit fahren muss.

  2. däf

    gegenfrage: macht einen die erwähnte etikette nicht einfach nur kenntlich?
    ist der sinn von kleiderordnung nicht vielmehr einer gewissen notwendigkeit geschuldet? denn ich frage mich dann doch, ob ich den banker oder versicherungskaufmann noch ernst nehmen könnte, wenn er in birkenstocks, löchriger jeans und rollkragenpulli vor mir stehen würde.

  3. Herzton

    Däf: du meinst wahrscheinlich, es sei notwendig, UM etwas zu tun … UM zu verkaufen, UM seriös zu sein, UM ZU … usw.

    Einer gewissen Notwendigkeit geschuldet? Hm. Gute Frage. Bei mir bewirkt manches Mal die offensichtlich erfüllte Kleidungsetikette eher das Gegenteil – ich werde misstrauisch.

    Als Beispiel mögen die Anzugbekleideten und gestriegelten Handyvertrags-Verkäufer oder manches Mal auch Versicherungs-Vertreter herhalten. Ihr Auftreten zielt – für meinen Geschmack – zu sehr auf Seriosität ab, dass ich beginne zu mutmaßen, was damit wohl versteckt werden will ….

    Ich bin zwar ganz sicher nicht das Maß der Dinge … aber das hebelt dein Argument der “Notwendigkeit” aus … was notwendig z.B. in einer Geschäftssituation ist, wird völlig unterschiedlich und nicht einheitlich – wie es die Etikette behauptet – wahrgenommen.

    Unser Finanzberater z.B. wirkt nicht besonders seriös, ist auch nicht wahnsinnig aufgestylt … meistens nicht mal eine Krawatte … aber er ist VERDAMMT EHRLICH … und DAS tut not, meiner Meinung nach!

  4. Herzton

    Es geht mir übrigens nicht darum schöne Kleidung oder v.a. den klassischen Stil schlecht zu machen.

    Es geht mir darum, sich zu fragen, was das Postulat von Etiketten bewirkt? Wir beugen uns ja nicht nur der Etikette, sondern wir kommunizeren sie ja auch – bewusst oder einfach nur durch Konformität.

  5. thurman7bc

    Stop hack the program!!!

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