“Die Frauen wollen doch eh nicht …”

(Bild von hier) Bei meinem letztwöchigen Gespräch hörte ich von einigen Männern, genauso wie von einigen Frauen meiner Gesprächspartner immer wieder jene Meinung: “Frauen wollen doch eh nicht dies und jenes tun …” z.B. machten die meisten Frauen doch gar keine Anstalten Führungspositionen zu übernehmen, predigen zu wollen, als Mutter auch arbeiten zu gehen usw. – nach dem Motto: wenn Frauen von sich selbst aus dies oder jenes nicht wollen, dann hat die klassische Rollenverteilung ja schon seine Richtigkeit.

Eines muss man dieser Aussage lassen: die Beobachtung trifft zu. Tatsächlich nehme auch ich wahr, dass viele Frauen von sich aus keine Führungspositionen (…usw…) einnehmen wollen und dass sich nicht minder viele Männer zurückhalten Haushaltstätigkeiten zu übernehmen. Das wirft Rätsel auf. Ist der Grund für dieses Verhalten aber wirklich, dass bestimmte Aufgaben von Männern besser erledigt und andere Verantwortungsbereiche von Frauen kompetenter übernommen werden?

Eine andere Erklärung ist beim Emergent-Forum von Stini Müller nahegelegt worden: Sie stellt sich die Frage, in wie weit die betreffende Frau/ der betreffende Mann Sexismen verinnerlicht hat. Ist die Scheu vor einer traditionell geschlechter-untypischen Aufgabe nicht einfach nur in sexistischen Vorprägungen und nicht in einer zutreffenden Einschätzung der eigegen Persönlichkeit bzw. Fähigkeit begründet? Also: Übernimmt die leitungsbegabte Frau nur deshalb nicht die Aufgabe einer Führungsposition, weil sie es schlicht gewohnt ist, Männern an dieser Stelle zu sehen? Und scheut sich der erziehunsbegabte Mann nur deshalb vor der Aufgabe der Kindererziehung, weil er keine männlichen Modelle kennt?

Wäre dem so, dann läge der wahrnehmbaren Zurückhaltung nicht ausgiebige Selbstreflexion zugrunde, sondern einfach die Gewohnheit der Rollenverteilung! Aber wäre dem so, wie ließe sich dann damit umgehen? Natürlich finde ich es nicht sinnvoll den Spieß umzudrehen und umkehrend die Gewohnheit der Frau als Ministerin und des Mannes als Erzieher zu kultivieren und damit Menschen wiederum in Schemata zu pressen. Wobei. Kein Zwang bedeutet nicht, keine Herausforderung. Wahrscheinlich braucht die/der eine oder andere Ermutigung und Provokation um sich gedanklich auf einen Weg zu machen, um bei sich und beim anderen nachzufragen, ob die innere Ab- oder Zuneigung gegenüber bestimmten Aufgaben und Rollen wirklich persönlichkeitsbedingt oder schlicht kulturell durch verinnerlichte Sexismen verschnitten ist.

Das ist eine mögliche Erklärung für die oben behauptete Beobachtung. Vielleicht hast du ja eine andere? Was denkst du darüber? Was hörst du dazu in deinen Gesprächen von Frauen und Männern?

3 Reaktionen zu ““Die Frauen wollen doch eh nicht …””

  1. Jude

    ich finds voll schwer, da man ja nicht immer mit dem bewusstsein des sexismus durch die gegend läuft oder seine gemeindemitarbeiter sucht. sicherlich ist eine sensibilisierung gut und wichtig, damit man bei dem einen “nein” mal genauer nachhakt. das kämpferische dagegen an gehen ist aber auch deswegen schon schwer, weil es eben in der gemeinde einfach immer genug gibt, was viel wichtiger ist und weil es sehr viel kraft kostet. man kann mit emotionalen diskussionen und theologischen abhandlungen rechnen und gegen diese geschütze muss man erstmal ankommen.
    was man sicherlich machen kann, ist frauen zu ermutigen, ihre begabung einzusetzen oder generell sich selbst mehr wertzuschätzen. und bereits in der arbeit mit kindern darauf achten, dass man nicht nur in rollenklischees erzieht. sondern den mut hat, anders zu erziehen und auch männer mit dabei hat :-) ))

  2. Happy Weltfrauentag. Thema heute: Frauen im Pfarramt at Pastor Sandy in the boonies

    [...] kann.) Auch danach wurde besonderes dieser Vortrag in Blogs noch weiter diskutiert. (z.B. Hier, Hier und Hier.) Verinnerlichte Sexismen beeinflussen einfach die Gemeindearbeit, egal ob auch haupt- [...]

  3. Happy Weltfrauentag. Thema heute: Frauen im Pfarramt | Pastorsandy

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